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Bike-Fitting: So findet man auf dem Mountainbike die perfekte Sitzposition

Wer möchte nicht sofort aufspringen und lostreten, wenn das neue Mountainbike frisch zusammengebaut vor einem steht? Ein jungfräulicher Rahmen und das individuell konfigurierte Setup lassen die Augen jedes leidenschaftlichen Bikers glänzen. Ein perfekter Moment für den ersten Ritt über Wald und Wiesen – fast! Denn bei aller Perfektion des neuen „Arbeitsgeräts“ ist auch die richtige Sitzposition wichtig. Mit den folgenden Tipps bekommt man ordentlich Druck aufs Pedal, schont die Gesundheit und hat garantiert mehr Spaß.

 

1. Der Sattel als zentrale Schnittstelle

 

Die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine sind Pedale, Lenker und Sattel. Während die Pedale für die muskuläre Kraftübertragung und der Griff am Lenker für guten Halt sorgen, ist es wichtig, fest und bequem im Sattel zu sitzen, selbst nach mehreren Stunden noch. Ein Sattel muss passen und genau deshalb ist die Auswahl groß. Sattel ist nicht gleich Sattel, und man ist gut beraten wählerisch zu sein und verschiedene Modelle zu testen oder auch einmal zu wechseln, falls man Sitz- oder Rückenprobleme hat. Nur zu gepolstert und zu breit sollte der Sattel keinesfalls sein, da man sonst zu weit einsinkt, die Sitzhöcker nicht richtig gestützt und Nerven und Gefäße eingeklemmt werden. Unter ambitionierten Bikern gilt: So komfortabel wie nötig, so hart wie möglich!

 

2. Die ideale Sitzhöhe

 

Ist der passende Sattel gefunden, sollte die individuelle Sitzhöhe richtig eingestellt werden. Eine schnelle Möglichkeit, sich der richtigen Sitzposition anzunähern, ist die „Fersen-Formel“. Allerdings bleiben dabei individuelle Gegebenheiten wie zum Beispiel die Größe der Füße unberücksichtigt. Mit angezogenen Radschuhen wird die Ferse auf das Pedal der unten senkrecht positionierten Kurbel gestellt und das Bein vollständig gestreckt. Die Hüfte sollte dabei gerade sein, dann kann der Sattel auf Schritthöhe justiert werden. Wenn man nun den Fußballen auf das Pedal stellt, sollte das Knie eine leichte Beugung von etwa 110 Grad zeigen.

 

3. Den richtigen Nachsitz finden

 

Ein ebenso wichtiges Details für eine komfortable, stabile und gesunde Sitzposition auf dem Mountainbike ist der Nachsitz. Für eine möglichst geringe Belastung des Kniegelenks während des Tretens sollte der Sattel so justiert werden, dass bei waagrechter Kurbelstellung ein Lot mit einer Schnur von der Kniescheibe senkrecht durch die Pedalachse gefällt werden kann. Ein zu weit vorne positionierter Sattel kann zu Kniebeschwerden führen. Ein zu weit hinten justierter Sattel kann die Kraftentfaltung von Hüftstrecker und Kniebeuger schwächen.

 

4. Einstellen von Sitzlänge und Sitzüberhöhung

 

In Kombination mit dem Nachsitz sind die Sitzlänge und Sitzüberhöhung, also der Höhenunterschied von Sattel zu Lenker, wichtig für die Leistungsentfaltung und Vermeidung von Rückenbeschwerden. Sie hängen einerseits von der Körpergröße und Rumpflänge sowie von der Beweglichkeit des Fahrers ab. Entscheidend ist aber auch, welches sportliche Ziel man verfolgt. Eine aufrechte Position ist ideal für lange Touren und Rad-Marathons. Als optimal gilt eine Position, bei der der Oberkörper 45 Grad nach vorne geneigt ist und dabei die Oberarme bei neutraler Sitzposition in einem Winkel von 90 bis 100 Grad stehen. Für hohe Geschwindigkeiten oder Downhillbiker ist eine gestreckte Sitzposition mit einem tieferen, aerodynamischen Schwerpunkt optimal. Dies sorgt für mehr Stabilität in Kurven und mehr Wendigkeit. Eine Orientierung gibt der Blick über den Lenker zur Vorderradachse: Sie sollte für Komfortfahrten hinter dem Lenker und verdeckt bis leicht davor bei sportlichem Fahrstil sein. Es lohnt sich, je nach Anforderung, mit verschiedenen Vorbaulängen zu experimentieren.

 

5. Die richtige Pedalposition finden

 

Egal ob ohne oder mit Klickpedale, der Fußballen sollte stets mittig über der Pedalachse stehen, um richtig Druck aufs Pedal zu bringen. Die optimale Position kann allerdings je nach Tritttechnik auch bis zu fünf Millimeter dahinter liegen. Um die optimale Plattenposition der Klickpedale zu ermitteln, zieht man eine Linie vom Spalt im Großzehen- und Kleinzehengrundgelenk auf der Innen- und Außenseite des Fußes sowie von der Innenseite des Fußballens zur Ferse. Die Pedalplatte wird dann mittig unter der ersten Linie montiert. Letztere sollte zur Einstellung des optimalen Schuhwinkels parallel zum Radrahmen verlaufen, ist aber auch vom persönlichen Gangbild abhängig. Ferner muss der Schuh mit ausreichend Abstand zur Kurbel auf dem Klickpedal montiert werden, um ein Schleifen an der Kurbel zu vermeiden.

 

Wer bei der Anpassung der einzelnen Komponenten für eine optimale Sitzposition auf Nummer Sicher gehen will, sollte sich sein Mountainbike bei einem professionellen Bike-Fitting anpassen lassen. So ist garantiert, dass Rücken- und Kniebeschwerden vermieden werden, die Kraftübertragung optimal funktioniert und der Spaß am Mountainbiken lange erhalten bleibt.

Details und Hintergrundinformationen zu einer professionellen Radanpassung gibt es im zweiten Teil unserer Bike-Fitting-Serie.

 

QuellenRadlabor München / Physiology and Biomechanics of Cycling, 1978, Irvin Edwin, John Wiley & Sons Verlagv, New York / Biomechanik im Sport, 2013, Jens Ebing, Wolfgang Thielscher, Tom Krueger, Martin Fritzenberg, René Kittel , SPITTA Verlag / Radsport, 1994, Peter Konopka, BLV

 

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