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Wie sich Laufradgrößen sowie die Breite von Reifen und Felgen auf das Fahrverhalten auswirken

Friso Lorscheider ist Marketingspezialist bei DT Swiss und hat die Entwicklung der Laufräder im Mountainbiken auf Herstellerseite intensiv begleitet. Wir wollten von ihm mehr über die aktuellen Trends in diesem Bereich erfahren und trafen ihn zum Interview.

Lassen Sie uns zum Einstieg einmal zurückblicken: Wie kam es dazu, dass man sich bei Neuentwicklungen von den 26-Zoll-Laufrädern verabschiedet hat und sich nun auf 27,5 und 29 Zoll konzentriert?

Hierzu muss man in der Geschichte des Mountainbikens zurückblicken. Das Mountainbike hat sich ja aus dem Kundenbedürfnis heraus entwickelt, als eine Gruppe von Leuten mit dem Rad auch abseits der Straße fahren wollte. Da dafür Rennräder mit 28 Zoll gänzlich ungeeignet waren, nutzte man City-Bikes mit kleineren Laufraddurchmessern und dickeren Reifen. Aus diesen Rädern hat sich dann das Mountainbike entwickelt, und der Laufraddurchmesser von 26 Zoll wurde nie hinterfragt.

Räder mit kleineren Durchmessern sind ja auch stabiler, richtig?

Ja, das war natürlich in den Anfängen des Mountainbikens auch ein Thema. Bis vor einigen Jahren war man in der Materialentwicklung auch noch nicht so weit, funktionelle, stabile Laufräder für Mountainbikes mit einem größeren Durchmesser zu bauen. Dies ist nun aber seit einigen Jahren möglich. Von der technischen Seite her ist der größere Laufraddurchmesser für die meisten Kunden einfach das bessere Produkt.

Warum ist das so?

Größere Laufräder rollen besser, das ist simple Physik. Zudem sind sie fahrstabiler, werden nicht so schnell nervös und bieten durch die größere Auflagefläche auch eine bessere Traktion. Diese Erfahrungen führten zur Entwicklung der 29-Zoll-Laufräder, die im Prinzip einer 28-Zoll-Felge mit dickeren Reifen und damit einem größeren Außendurchmesser entsprechen. Das Felgenmaß hat also schon existiert. Als Ergänzung nach unten gibt es dann das 27,5-Zoll-Laufrad. 26-Zoll-Räder werden nur noch im Kinderbereich verwendet.

Nach welchen Kriterien soll ich mich bei der Wahl der passenden Laufradgröße entscheiden?

Das ist sehr stark von den persönlichen Bedürfnissen abhängig. Wenn man nicht gerade ein sehr kleingewachsener Mensch ist, würde ich dem Mountainbike-Einsteiger immer zum größeren Laufrad raten. Bei ambitionierten Mountainbikern, die einen agilen Fahrstil bevorzugen, kann das kleinere Laufrad Sinn machen, da es im Handling verspielter ist.

Sollte die Körpergröße bei der Wahl der Laufradgröße eine Rolle spielen?

Nur im Extremfall. Normal gewachsenen Menschen ab 1,65 Meter Körpergröße würde ich immer ein 29er empfehlen.

Kann man seine Entscheidung für 27,5- oder 29-Zoll-Laufräder völlig unabhängig von der Bike-Geometrie treffen?

Je länger ein Rad gebaut ist und je fahrstabiler es dadurch wird, desto eher kann ich auch als kleiner Fahrer 29-Zoll-Laufräder fahren. Will ich aber ein sehr agiles Rad mit einem kurzen Oberrohr muss ich bedenken, dass große Laufräder bei sehr geringem Radstand nicht mehr funktionieren. Nämlich dann, wenn ich beim Lenken mit den Füßen ans Laufrad stoße.

Wie sinnvoll ist es, den Laufraddurchmesser gegebenenfalls durch unterschiedliche Reifenbreiten an unterschiedliche Bedingungen anzupassen?

Das kann durchaus Sinn machen. Genau dafür sind nun Bikes mit 27,5+-Laufrädern auf dem Markt. Dies ist ja nichts anderes, als ein 27,5er-Laufrad mit einer deutlich breiteren Felge und breiteren Reifen. Bei normalen Mountainbikereifen bewegte sich die Breite zwischen 2,1 und 2,3 Zoll. Hier ändert sich der Außendurchmesser vom schmalen zum breiteren Reifen nur marginal. Anders ist es bei den 27,5+-Rädern, auf die ich Reifen von 2,8 oder 3,0 Zoll aufziehe. So hat ein 3,0-Zoll-Reifen auf einer 27,5+-Felge den gleichen Außendurchmesser wie ein 2,1-Zoll-Reifen auf einer 29-Zoll-Felge.

Und welche Vorteile bietet mir ein solch breites und großes 27,5+-Laufrad?

Der Reifen rollt besser, ähnlich wie ein 29er. Zudem wird mein Rad durch die Kombination aus breiteren Felgen und Reifen wesentlich fahrstabiler. Ein geringerer Luftdruck im Reifen sorgt für mehr Komfort, und die breitere Felge verhindert, dass der Reifen zu stark walkt. Dieses leichtere Handling hat auch für Mountainbike-Einsteiger enorme Vorteile.

Wie genau wirken sich breitere Felgen auf das Fahrverhalten aus?

Mit breiteren Reifen und Felgen kann ich einem Anfänger die Angst vor Schotterabfahrten und Trails nehmen. Ich kann nur jedem Mountainbiker empfehlen, eine breitere Felge auszuprobieren. Man muss nicht zwangsläufig auch gleich einen breiteren Reifen fahren. Eine 30er-Felge gibt einem das Gefühl, auf einem völlig anderen Fahrrad zu sitzen. Ich fahre selbst nichts anderes mehr!

 

Tipp:

Das neue R.C1 FS ist ein größenoptimiertes Fully für den Cross-Country-Einsatz. Zwei Geometrien für unterschiedliche Vorlieben und Körpergrößen machen es zum perfekten Allrounder für Bike-Marathon oder Alpencross. In den Größen S und M ist das Bike auf die Laufradgröße 27,5 Zoll ausgelegt, in den Größen M, L und XL auf 29 Zoll.

Mehr über die neuen ROTWILD C-Modelle für 2017 lesen Sie hier.

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