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Sofia Wiedenroth verrät Details zu ihrem R2.HT 29 Racebike

Fahren Profi-Biker eigentlich mit einem ganz normalen Serien-Bike in den Weltcups? Oder tunen sie ihr Bike für die besonderen Anforderungen durch Umbauten auf Wettkampf-Niveau? Dies und einige andere technische Details klären wir mit AMG Rotwild-Teamfahrerin Sofia Wiedenroth in diesem Interview.

Welche Anforderungen stellst du an ein Wettkampf-Racebike?

Ein großer Anspruch an mein Wettkampf-Bike ist, dass ich diesem zu 100 Prozent vertrauen kann. Das Vertrauen kommt dann, wenn das gesamte Setup richtig eingestellt ist und alle Komponenten miteinander harmonieren und funktionieren.

Hat ein leichtes Bike im Wettkampf wirklich spürbare Vorteile?

Ja, auf jeden Fall. Da es im Cross-Country genauso viel bergauf wie bergab geht, spielt die gewichtsbezogene Leistung eine Rolle. Das heißt, der Quotient aus Leistung und Masse ist ein wichtiger Parameter. Wenn das Rad und somit die gesamte Masse leichter ist, ist logischerweise der Nenner in der Watt/Kilo-Rechnung kleiner und dadurch die gewichtsbezogene Leistung größer.

Okay, das leuchtet ein. Die Materialentwicklung hat ja auch im Racebereich in den vergangenen Jahren für gravierende Veränderungen gesorgt. Stichworte: 29er, 1-fach-Antriebe, elektronische Schaltungen…Erinnerst du dich noch an deine erste Fahrt auf einem 29er?

Ja, daran erinnere ich mich noch ziemlich genau. Das war beim Weltcup in Albstadt 2013. Danny, unser Teamchef, hat mir nach dem Rennen das neue R2 HT 29 aufgebaut, um es einfach mal zu testen. Ich nahm das Rad am darauffolgenden Wochenende dann direkt mit zum nächsten Weltcup nach Nove Mesto und habe das Streckentraining mal mit dem 26er und mal mit dem 29er absolviert, um die Räder zu vergleichen. Das Rennen bin ich dann noch mit dem 26er gefahren, weil ich dachte, ich komme mit dem 29er eventuell noch nicht so klar. Nach dem Rennen habe ich mich dann aber ein bisschen über meine Entscheidung geärgert, weil alle meine Konkurrentinnen schon mit einem 29er unterwegs waren und mir in den wurzligen Flachpassagen, in denen keiner tritt, einfach davon gerollt sind. Ab da war für mich dann klar: 29er ist definitiv schneller.

Wie kamst du damals mit den größeren Reifen und der veränderten Bike-Geometrie zurecht?

Es war schon eine ziemliche Umgewöhnung. Ich hatte zum Glück von Rotwild aus keinen Druck, dass ich ab sofort nur noch 29er fahren muss, sondern hatte 2013 immer beide Bikes dabei, so dass ich mich in Ruhe daran gewöhnen konnte. Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass hin und her wechseln überhaupt keinen Sinn machte und ich mich auf dem 26er auch gar nicht mehr wohl fühlte. Trotzdem musste ich erst mal lernen, mit dem 29er umzugehen. Der Schwerpunkt und vor allem der Kipppunkt ist woanders. Gerade am Anfang habe ich ziemlich viele Überschläge auf meinen eigentlich sicheren Hometrails gemacht. Das hat sich aber dann irgendwann gelegt, nachdem ich mich nochmal intensiv mit dem Setup auseinander gesetzt habe. Konkrete Veränderungen, die ich dann vorgenommen habe, waren, dass ich einen Negativvorbau und eine absenkbare Sattelstütze montiert habe. Denn zusammen mit unserem Nationalteam-Techniktrainer Rene Schmidt habe ich verschiedene Bewegungstests mit dem 26er und dem 29er gemacht, und dabei wurde ganz deutlich, dass ich mit dem 29er von der Größe her gar nicht die Chance habe, wirklich hinter den Sattel und somit tief zu kommen.

Der Umstieg vom 2-fach-Antrieb auf den 1-fach-Antrieb war sicher auch gewöhnungsbedürftig, oder?

Der Umstieg war für mich eine ziemliche Erleichterung, vor allem für meine Koordination im hektischen Cross-Country-Wettkampf. Hier geht es ja mal ganz kurz eine steile Rampe hoch, was bedeutet: Hebel rechts betätigen, damit der Sattel nach der Abfahrt wieder hoch kommt, Federgabel Log-Out links betätigen, damit die Gabel blockiert und dann noch am besten wieder vorne runter schalten und hinten den passenden Gang wählen. Bis ich das alles korrekt koordiniert habe, ist der Anstieg vorbei, und es geht schon wieder runter. Von dem her ist es jetzt schon besser, wenn ich mich nur auf die hintere Schaltung konzentrieren kann.

Musstest du deine Fahrweise in irgendeiner Art und Weise an den 1-fach-Antrieb mit weniger Gängen anpassen?

Naja, nicht wirklich. Klar, wenn ich ab und zu im Training eine Teerstraße hinunterrolle und keine höheren Gänge mehr habe, muss ich mit einer höheren Frequenz fahren.

Nimmst du je nach Strecke und Witterung vor dem Wettkampf bestimmte Anpassungen an deinem Bike vor? Veränderst du zum Beispiel den Reifendruck?

Ja, je nach Streckprofil passe ich den Reifenluftdruck an. Meist fahre ich mit dem Conti X-King, weil der ein ziemlich guter Allrounder ist, den ich seit sieben Jahren fahre und weiß, wie er sich in den Kurven verhält. Ist eine Strecke sehr wurzlig, wie z.B. der Weltcupkurs in Lenzerheide, versuche ich im Training das Minimum an Luftdruck, mit dem ich immer noch sicher fahren kann, auszutesten. Denn wenn es so wurzlig ist, hat ein geringer Luftdruck eine dämpfende Wirkung. Allerdings muss man aufpassen, dass es nicht zu wenig ist, um Durchschläge zu vermeiden.

Was ich auch noch je nach Kurs anpasse, ist mein vorderes Kettenblatt. Fahre ich zum Beispiel einen flachen Marathon, bei dem man viel auf der Straße und Schotter unterwegs ist, montiere ich ein Blatt mit 32 Zähnen. Wenn ein Weltcupkurs mit steileren Anstiegen bevorsteht, nehme ich dagegen das 30er Blatt, um kleinere Gänge fahren zu können.

Ist dein Wettkampf-Bike identisch mit dem R2 HT 29 oder hast du noch ein paar „Specials“ verbaut?

Es ist eigentlich ziemlich identisch, bis auf die oben angesprochene absenkbare Sattelstütze. Und ansonsten fahren wir Teamfahrer Lenker und Vorbau von Pro, da wir von Shimano bzw. Paul-Lange unterstützt werden.

Du laborierst ja zur Zeit an einer Knieverletzung. Was genau ist passiert?

Ich habe leider schon immer etwas Probleme mit meinem rechten Knie, da aufgrund einer Fehlstellung die Kniescheibe nicht optimal aufs Kniegelenk passt. Im Winter habe ich dann ziemlich umfangreich trainiert, so dass sich Wasser unter der Kniescheibe gebildet hat, sich die Kniebänder entzündet haben und der Knorpel ziemlich in Mitleidenschaft gezogen wurde. Von heute auf morgen konnte ich plötzlich mein Knie gar nicht mehr belasten.

Und wie läuft die Reha? Wann können wir dich wieder auf Weltcups sehen?

Die Reha lief gerade in den letzten Wochen ziemlich gut. Die Entzündungswerte sind nach unten gegangen und ich konnte mit Stabilisations- und Kräftigungsübungen große Fortschritte machen. Mein Knie und auch mein Sprunggelenk wurden immer stabiler, so dass ich wieder ruhige Grundlagenausdauer-Trainingseinheiten absolvieren konnte. Leider bin ich dann letzte Woche mit dem Mountainbike ziemlich blöd gestürzt, wobei ich mir die Kniebänder gezerrt habe und auch das Kreuzband in Mitleidenschaft gezogen habe. Geplant hatte ich, im Juli wieder bei den Weltcups in Andorra und in Lenzerheide am Start zu stehen. Aber so wie es aktuell aussieht, bezweifle ich, dass das klappt, da ich durch den Sturz das Knie wieder kaum belasten kann.

Oje, wir drücken die Daumen, dass du schnell wieder fit wirst!

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