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Sicherheitstest beim Mountainbike durch das EFBE-Prüflabor

Die EFBE Prüftechnik GmbH ist ein unabhängiges Prüflabor für mechanische Prüfungen von Fahrrädern und Komponenten. Auch ROTWILD Bikes werden hier regelmäßig im Hinblick auf Sicherheit und Qualität getestet. In diesem Interview erläutert Marcus Schröder, geschäftsführender Gesellschafter der EFBE, Hintergründe zu den Prüfverfahren und deren Nutzen für uns Mountainbiker.

Was sind die gängigsten Prüfungen, die Hersteller bei Ihnen in Auftrag geben?

Den größten Anteil bilden Rahmenprüfungen und dabei insbesondere unser TRI-TEST, der über die Anforderungen der weltweit üblichen Fahrrad-Sicherheitsnorm ISO 4210 hinausgeht.

Was genau ist der EFBE TRI-TEST?

Den EFBE TRI-TEST gibt es für alle sicherheitsrelevanten Baugruppen an Fahrrad und E-Bike und für derzeit 15 Klassen von Bikes. Wir unterscheiden zum Beispiel zwischen City-Bikes und Trekkingrädern oder auch diversen Klassen von MTBs – von der XC-Rennfeile bis zum Downhiller. Jeder TRI-TEST besteht aus drei Modulen: Ermüdungsprüfungen, Maximallastprüfungen und Überlastprüfungen. Die Ermüdung stellt viele häufig und immer wieder auftretende Belastungen nach, während die Maximallasten selten auftretende Spitzenlasten am Rande des bestimmungsgemäßen Gebrauchs simulieren. Die Überlastprüfung dagegen dient dazu, die Sicherheit der jeweiligen Baugruppe bei Überbelastung sicherzustellen – dabei kann es sich um einen Fehlgebrauch oder auch einen Unfall handeln. Es gibt kein unzerstörbares Produkt, aber es macht zum Beispiel für die Sicherheit des Fahrers einen großen Unterschied, ob bei einer verpatzten Landung im Gegenhang ein Rahmenhinterbau „weich“ nachgibt oder ob ein Steuerrohr plötzlich abreißt.

Wie kann ein Labortest überhaupt Aufschluss über Belastungen geben, wie sie beim Radfahren in der Praxis vorkommen?

Das ist die große Herausforderung – und ein wesentliches Merkmal eines guten Tests: In kurzer Zeit eine fundierte Vorhersage über das Verhalten des Produkts in der Hand des Kunden zu erhalten. Dazu werden unterschiedliche Lastfälle und eine Reihe von Ermüdungsprüfungen und statischen Versuchen durchgeführt. Gute Tests sind anhand von Messdaten aus dem Feld, aber auch im Abgleich mit bewährten wie auch mit bekannt kritischen Produkten validiert.

Inwiefern müssen Sie Ihre Testverfahren an neue Bikemodelle wie zum Beispiel  E-MBTs anpassen?

Wir arbeiten ständig an Verbesserungen und Verfeinerungen und das ganz besonders intensiv bei E-MTBs. Wir wissen, dass die Belastung für ein E-MTB anders aussieht als für konventionelle Bikes und haben drei Klassen von E-MTBs für die Prüfungen eingeführt: EXC für Cross-Country, EAM für All-Mountain-/Trail-Bikes und EGR für Downhill- und ähnliche Gravity-E-Bikes.

Was sind die häufigsten Schwachstellen bei einer Rahmenprüfung?

Das ist stark von der Art des Bikes und seinem Einsatzgebiet abhängig, aber gerade beim Mountainbike gibt es typische Achillesfersen am Hinterbau wie zum Beispiel Kettenstrebenrisse. Kritisch sind auch der Hauptrahmen bei singulären Spitzenlasten sowie besonders harte Landungen.

Welche Stellen an meinem Rad sollte ich als Mountainbiker regelmäßig auf Schäden untersuchen?

Steuerkopf, also Steuerrohr, Ober- und Unterrohr, sowie die Schweißnähte dazwischen, der Bereich um das Tretlager und die Kettenstreben sind Rahmenteile, die beim Putzen gut zu überprüfen sind. Aber auch Lenker, Vorbauten und Sattelstützen sollten regelmäßig gecheckt werden – das gilt ganz besonders nach jedem Sturz.

Müssen Hersteller ihre Räder testen lassen, bevor sie verkauft werden?

Jein – E-Bikes sind hier etwas stärker reglementiert, aber im Großen und Ganzen liegt es in der Verantwortung und im Ermessen des Herstellers, in wie weit er ein unabhängiges Prüflabor einbindet.

Welche Vorschriften und Normen gibt es hier?

Wie für fast alles gibt es eine Reihe von Normen. Die wichtigsten sind die ISO 4210 für Jugendräder, City/Trekking-Bikes, MTB und Rennräder. Und es gibt eine EN 15194 für EPAC, landläufig PEDELEC, die gerade neu aufgelegt wird, aber auch zukünftig nur eine Art von E-Bike kennt – also wenig Unterschied zwischen einem Holland-Rad mit Frontmotor und einem E-Enduro macht.

Kann ich als Käufer eines Bikes feststellen, ob das Rad und seine Komponenten unabhängig getestet wurden?

Nicht immer. ROTWILD und die meisten führenden Hersteller vertrauen auf unabhängige, externe Tests; andere Marken testen viel intern. Interne Tests bergen das Risiko einer gewissen „partiellen Blindheit“, aber das ist wahrscheinlich immer noch besser als die Marken, die klaglos und ohne Hinterfragen Prüfberichte ihrer Lieferanten abheften – was allerdings eine aussterbende Vorgehensweise ist. Wichtig ist, dass auf den Einsatzzweck hin getestet wird und nicht stumpf pro forma eine Norm abgeprüft wird. Leider ist das ein schwer zu vermarktendes Thema – wenige Kunden möchten beim Bike-Kauf mit der Idee von Bauteilversagen konfrontiert werden. 

 

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