ROTWILD Insights: Johannes Matschos – Produkt Management Bikes

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Wenn es um die Neuentwicklung von ROTWILD Bikes geht, führt kein Weg an Johannes Matschos vorbei. Als Produkt Manager mit abgeschlossenem Maschinenbaustudium ist er das Bindeglied zwischen Engineering und Produktion. In der jüngeren Vergangenheit hat er sich vor allem mit den Bikes der neuen Aggressive-Series beschäftigt. Im Interview spricht er deshalb über einige Details der neuen R.375er Bikes und gibt Einblicke in seinen Job und Berufsalltag bei ROTWILD.

Johannes Matschos ist Produkt Manager bei ROTWILD und in viele Entwicklungsphasen neuer Bikes involviert. Ein Tätigkeitsschwerpunkt für den leidenschaftlichen Enduro-Fahrer war zuletzt die intensive Arbeit an der ROTWILD Aggressive Series.

Seit wann arbeitest du bei ROTWILD und wie bist du an den Job gekommen?

Ich habe bereits 2014 neben meinem Masterstudium an der TU Darmstadt als Werkstudent bei ROTWILD angefangen. Damals war eine Stelle im Engineering ausgeschrieben und ich habe nachgefragt, ob ich diese Stelle auch neben dem Studium in Teilzeit ausführen kann. Nach meinem Studium war für beide Parteien klar, dass es Vollzeit weiter geht.

Mit welchen Kollegen aus dem Produktmanagement und Engineering arbeitest du eng zusammen?

Dadurch, dass wir ein kleines Team sind, stehe ich mit allen Kollegen aus Engineering im ständigen Austausch. Im Produktmanagement arbeite ich sehr eng mit Peter Schlitt und Marc Faude zusammen.

Wie sind die Aufgaben in eurem Team verteilt?

Das Engineering übernimmt die klassischen Entwicklungsaufgaben wie zum Beispiel die Technologieentwicklung, die Konstruktion und die Umsetzung der Konstruktion mit dem Produzenten. Meine Aufgabe ist es, das jeweilige Projekt von der Idee bis zur Markteinführung zu begleiten. Dabei geht es auch darum, die entsprechenden Informationen mit den anderen Abteilungen wie Marketing, Vertrieb, Einkauf und Produktionsplanung zu kommunizieren. Es gibt keinen anderen Job bei ROTWILD, bei dem man ein Produkt über so viele Projektphasen begleitet. Genau das ist das Schöne an meinem Job.

Du warst als Produktmanager intensiv an der Entwicklung des R.E375 E-MTB Enduros beteiligt. Wie ist die Idee zum neuen Bike entstanden?

Ausschlaggebend waren unsere eigenen Erfahrungen im heimischen Taunus. Hier haben wir viele schnelle und ruppige Enduro-Trails. Bei unseren Touren ist uns aufgefallen, dass wir die 750 Wh unserer bisherigen Mountainbikes nie vollständig benötigt haben. Gleichzeitig haben wir beim Gesamtgewicht der Bikes für solche Enduro-Trails noch Optimierungsbedarf gesehen. Es lag also nahe, die Akkukapazität deutlich zu reduzieren, um so Gewicht einzusparen. Damit war die Idee für die neue 375er Plattform geboren. Auf diesem Konzept dann ein aggressives Enduro-Bike zu entwickeln, war für uns dann die logische Konsequenz.

Bereits in der Konzeptionsphase des R.E375 hatte Johannes klare Anforderungen an das neue Enduro: „Das Bike darf niemals der limitierende Faktor sein, vielmehr muss es zuverlässiges Handling in allen Sektionen bieten“. Selbstverständlich, dass die ersten Prototypen auch von ihm ausführlich getestet wurden.

Inwiefern halfen dir deine eigenen Erfahrungen als Enduro-Biker bei der Produktentwicklung?

Es ist immer gut, wenn man sich in der Produktentwicklung auch intensiv mit dem Produkt auseinandersetzt. Nur so kann ich meine Erfahrungen effektiv einbeziehen und die Bedürfnisse der Zielgruppe viel besser verstehen.

Welche Kriterien waren für dich bei der Entwicklung des R.E375 besonders wichtig?

Für mich war die Geometrie im Entwicklungsprozess sehr wichtig. Denn am Ende ist sie der ausschlaggebende Faktor, ob ich mich auf einem Rad wohlfühle oder nicht.

Warum habt ihr den neuen Shimano EP8 Motor verbaut?

Neben dem kleinen Bauraum und dem geringen Gewicht hat uns der Motor von seiner Fahrcharakteristik überzeugt. Das dynamische, spritzige Ansprechverhalten passt perfekt zu dem Konzept der neuen Aggressive-Series. Zudem lässt sich der Motor über die E-Tube App sehr einfach individuell einstellen.

Erstmals habt ihr für das R.E375 ein vollständig aus Carbon gefertigtes Linkage entwickelt. Was sind die Vorteile gegenüber den bisher verwendeten Verbindungen?

Das Design lässt sich konstruktiv sehr gut in Carbon umsetzen, fasst schon einfacher, als wenn man es in Aluminium fertigt. Da war es für uns eigentlich klar, diesen Schritt zu gehen und den Rahmen konsequent zu 100 Prozent aus Carbon zu fertigen.

Ein wesentlicher Grund für die aktive Fahrdynamik des R.E375 ist das neu entwickelte Fahrwerk mit seiner erhöhten Progression. Das neue, einteilige Carbon Linkage reduziert dabei Gewicht und sorgt für eine leichtgängige Funktion des Dämpfers.

Inwiefern unterscheidet sich die Geometrie des neuen R.E375 von der der anderen Rotwild Enduro Bikes?

Es gibt drei wesentliche Unterschiede zu den älteren Bikes: Erstens der längere Reach, der für mehr Bewegungsfreiheit auf dem Rad sorgt. Zweitens der flachere Lenkwinkel, durch den das Bike laufruhiger wird und drittens ein steilerer Sitzwinkel, der das bergauf Pedalieren angenehmer macht. 

Wie sieht denn ein "ganz normaler" Arbeitstag bei dir aus?

Je nachdem, in welcher Projektphase wir uns gerade befinden, sieht mein Alltag recht unterschiedlich aus. Mal verbringe ich sehr viel Zeit im Büro, beim Musterbau hingegen bin ich dann eher in der Werkstatt zu finden. Bei gelegentlichen Probefahrten auch mal auf dem Trail. Generell schreibe ich viele E-Mails, um Informationen einzuholen und diese weiter zu kommunizieren.

Auf dem Weg zur finalen Serienausstattung stehen viele Entscheidungen an, damit alle Anbauteile optimal zum Einsatzbereich passen. Auch das ist ein wichtiger Arbeitsbereich für ROTWILD Produkt Manager Johannes.

Das hört sich ja recht abwechslungsreich an. Was sind in deinem Job für dich die größten Herausforderungen?

Es ist oft nicht leicht, den Überblick über alle Projekte und die entsprechenden Details zu behalten und nichts zu vergessen. Da hilft mir nur der klassische Notizzettel.

In welchen Bereichen siehst du das größte Potenzial für weitere technische Verbesserung der aktuellen Bikes?

Wenn ich mir Carbon-Strukturen aus anderen Branchen anschaue, sehe ich hier noch viel Leichtbau- und Qualitätspotenzial. Leider wird es bei der Verwendung von Carbon schnell sehr teuer. Vor allem wenn man in diese Leichtbaukategorien eintritt. Daher stellt sich hier eher die Frage, wann und ob diese Technologien bezahlbar werden, damit unsere Branche damit arbeiten kann.

Hast du Tipps für jemanden, der auch gerne in der Bike-Industrie arbeiten will?

Man sollte sich immer wieder bewerben und mit den Leuten aus der Industrie im Kontakt bleiben. Es ist eine kleine Branche, die ständig auf der Suche nach guten Leuten ist. Da findet man dann irgendwann seinen passenden Platz.

Zu deinen persönlichen Bikevorlieben: Downhill oder Uphill?

Ganz klar: Downhill.

Fully oder Hardtail?

Da muss ich auch nicht überlegen: Fully.

Vom Pflichtenheft bis zu den Testfahrten ist das Feedback unserer eigenen Mitarbeiter ein wesentlicher Input in allen Entwicklungsphasen. Getreu unserer Philosophie: wir bauen Räder, die wir auch selber fahren möchten.

E-Bike oder konventionell?

Mir taugt beides.

Und welches ist dein Lieblingsbike aus der ROTWILD Kollektion?

Jetzt, wo der Herbst vor der Tür steht, bin ich gerne auf meinem R.X1 FS 29 unterwegs. Das ist für mich ein optimales Rad für die Hometrails.

Wie viele Kilometer sitzt du pro Jahr im Sattel?

In einem guten Jahr komme ich auf etwa 6.500 Kilometer.

Hast du ein Lieblingsrevier zum Biken?

Für mich ist es der Taunus. Da bin ich ohne lange Anfahrten schnell in einem abwechslungsreichen Gelände.

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