Profitipps fürs Fotografieren in den Big Mountains

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Gute Bikebilder von den eigenen Touren sind eine schöne Erinnerung. Mit ein wenig Vorbereitung, der entsprechenden Ausrüstung und dem fotografischen Know-how lassen sich mehr als nur Schnappschüsse schießen. Wir haben drei Fotografen nach ihren Tipps für gelungene Outdoor-Fotos gefragt.

Die beiden Sport- und Outdoor-Fotografen David Schultheiß und Andi Frank sind das ganze Jahr über in den Bergen unterwegs. Von ihren Erfahrungen und Tipps kann jeder Hobbyfotograf profitieren. Neben den beiden Foto-Profis verrät auch Ole Wittrock, der als Marketing & Communications Manager bei ROTWILD immer wieder hinter der Kamera zu finden ist, seine Do’s und Don’ts für gelungene Bikefotos.

Wie sieht bei euch die Vorbereitung für ein Shooting in den Bergen aus?

David: Am liebsten nutze ich die App PhotoPills und Google Earth. Die Kombination der beiden Programme ist für mich unschlagbar, um mir einen Eindruck vor Ort zu verschaffen, an dem ich noch nie gewesen bin. PhotoPills kann genau anzeigen, wann und wo sich die Sonne und der Mond am Himmelsverlauf befinden. Google Earth ist mittlerweile so detailreich, dass selbst kleinste Erhebungen in den Bergen dargestellt werden. Je höher es in die Berge gehen soll, desto unberechenbarer wird das Vorhaben. Deswegen bin ich über jede Information froh, die ich bei meiner Planung mit einbeziehen kann. Beim Timing bevorzuge ich am frühen Morgen oder in den Abendstunden zu fotografieren. Wenn die ersten Sonnenstrahlen die Bergspitzen berühren, habe ich das beste Licht. Dazu bilden sich am frühen Morgen hin und wieder Nebelschwaden, die das Bild weicher zeichnen. Kurz nach Sonnenuntergang, zur blauen Stunde bin ich auch gerne mit der Kamera unterwegs.

Andi: Ein ausgiebiger Wetter-Check ist das A und O. Wenn die Gewitterneigung an den geplanten Shootingtagen hoch ist, ist besonders in den Bergen Vorsicht angesagt. Im Winter kommt der Schnee- und Lawinenlagebericht dazu. Auch ich benutze Google Earth und Fatmap um Zustiege und Trails zu checken. Falls ich mit der Drohne arbeiten will, müssen bei der Vorbereitung je nach Land zusätzlich noch Fluggenehmigungen eingeholt werden.

Ole: Sobald die Grundfrage geklärt ist, welche Bilder wir benötigen, geht es um die Suche nach der passenden Location. Dies zu recherchieren ist oft mit viel Aufwand verbunden. Sich einen lokalen Guide zu nehmen, ist da eine große Hilfe. Als Nächstes spielt die Jahreszeit eine wichtige Rolle. In diesem Jahr lag auch Anfang Juni in vielen Höhenlagen noch jede Menge Schnee, das reduziert den Spielraum für MTB-Shootings dann doch. Vor Ort beginnen wir im Idealfall früh und sind vor Sonnenaufgang am gewünschten Spot. Ich persönlich mag Licht, das nicht zu dominant ist. Es muss nicht zwingend strahlend blauer Himmel sein. Eine helle, aber weichere Ausleuchtung mit Nebel oder leichter Bewölkung kann mehr Stimmung erzeugen als pralles Sonnenlicht. Dann geht es auch tagsüber.

Welches Equipment ist eure "Minimal-Ausstattung" für ein Outdoor-Shooting?

Das alles ist im Fotorucksack von Fotograf David Schultheiß. Bei der Kamera setzt David auf die robuste Spiegelreflex Technologie.

David: Meine Minimal-Ausstattung fühlt sich auf dem Rücken leider gar nicht so minimal an. Ich habe gerne alle Optiken dabei. Minimal bedeutet bei mir der Verzicht auf Festbrennweiten. Bis auf meinen Laptop und externe Speichermedien habe ich immer alles in meinem 26 Liter großen Evoc-Fotorucksack dabei. Ich fotografiere noch mit einem Spiegelsystem, da es an Robustheit kaum zu übertreffen ist. Die Kamera fühlt sich an wie ein Backstein an dem alles zerschellt, was ihm in die Quere kommt. Zeitweise nutze ich Pro-Mist-Filter, um harte Kontraste zu vermeiden und generell einen analogen Look zu kreieren. Bei grellem Licht am Berg hilft mir die Displaylupe dabei die Aufnahmen zu bewerten. Der Peak Design Gurt hat einen praktischen Schnellverschluss für schnelles An- und Abmontieren. Walky Talkys sind sehr hilfreich, um den Models und den Fahrern über weite Distanzen Anweisungen zu geben. Da es bekanntermaßen beim Fotografieren sehr früh oder sehr spät werden kann, ist eine Stirnlampe sinnvoll. Abgesehen von einer robusten Festplatte speichere ich alles ein zweites Mal auf einem USB Stick. Um auf Nummer Sicher zu gehen, landet der Stick in meiner Hosentasche und weicht mir somit nicht mehr von der Seite.

Spiegellose Kamera, Objektive und einiges an Zubehör, um in den Bergen für viele Eventualitäten gewappnet zu sein. So sieht das Setup von Outdoor-Fotograf Andi Frank aus.

Andi: Ich schieße mit einer Canon EOS R und habe 4 Objektive dabei: Fisheye, 2,8/24-70mm, 2,8/70-200 und 1.2/ 50mm. Außerdem: Ministativ, Drohne, Wasserflasche, Energieriegel, Klopapier, Karte, Handy, Regenschutz und Erste Hilfe Set. Das passt alles in meinen Lowepro Pro Tactic BW 350 AW 2 Fotorucksack. Grundsätzlich versuche ich meine Ausrüstung so leicht wie möglich zu halten.

Eine schnelle Spiegelreflex, eventuell ein Ersatzbody, Zoom-Objektive - für eine Fototour in den Bergen kommt aber auch noch das wichtigste Werkzeug mit in den Rucksack von Ole Wittrock.

Ole: In meinen Fotorucksack packe ich den Kamera-Body, zwei Zoom-Objektive, eine Festbrennweite, Ersatz-Akku und Speicherkarten. Optional auch mal eine Ersatzkamera. Von David Schultheiß habe ich mir das Gadget Displaylupe abgeschaut, um gleich an Ort und Stelle die Aufnahmen besser kontrollieren zu können. Die muss immer mit. Dazu kommen dann noch die typischen Sachen zum Biken, Getränk, Energieriegel, das wichtigste Werkzeug, um unterwegs kleinere Pannen am Bike beheben zu können.

Angenommen, du würdest eine mehrtägige Tour begleiten und willst nur eine Kamera mitnehmen. Welche wäre das?

David: Eine spiegellose Canon R6 wäre schon schick. Mit knapp 700 Gramm ist sie federleicht und gerade noch groß genug um sie sicher in der Hand zu halten. Grundsätzlich muss für mich die Kamera eine gewisse Größe haben, damit alle Knöpfe ihren Platz finden. Es ist frustrierend, wenn sich wichtige Funktionen in Untermenüs befinden. In so einem Fall müsste ich mich mehr mit der Kamera als mit meiner Umgebung beschäftigen.

Andi: Ich würde meine Lieblingskamera, die Fujifilm 100 F einpacken. Die ist zwar alles andere als eine Sportkamera, aber ich nehm mir dann für die einzelnen Motive und Einstellungen mehr Zeit und das sieht man auch am Ergebnis. Durch die fest verbaute 35 mm Optik muss man sich beim Fotografieren selbst mehr bewegen, um so den Ausschnitt zu verändern. Das taugt mir.

Ole: Das ist eine schwierige Entscheidung und hängt davon ab, worauf der Fokus liegt. Wenn Action im Vordergrund steht, dann wäre es sicherlich die Nikon. Soll es eher dokumentarisch werden, so Richtung Roadtrip, dann habe ich gerne eine Leica Sucherkamera dabei, mit einer 35 mm Festbrennweite. Die ist klein, universell einsetzbar und super robust – allerdings nichts für stark Action-orientierte Bilder.

Licht, Framing und jede Menge Kreativität - das sind Bestandteile für ein gutes Bild in den Big Mountains. Jedes Shooting steigert den Erfahrungslevel.

Welche drei Dinge sollte man grundsätzlich beim Fotografieren von Action- und Landschaftsaufnahmen beachten?

David: Licht, Framing und eine gute Symbiose zwischen Model und Fotograf! Wenn diese drei Dinge zu einer Einheit gelangen, kann sogar mal die Schärfe daneben liegen.

Andi: Bei Actionbildern: Überlege dir, wo du deinen Actionhero zu Gesicht bekommst. Bist du nicht auf den richtigen Moment gefasst, rauscht er an dir vorbei, bevor du abgedrückt hast. Und checke immer vorab deine Kameraeinstellungen, vor allem ob du eine kurze Verschlusszeit eingestellt hast. Bei Landschaftsaufnahmen spielt für mich das Licht eine entscheidende Rolle. Hier musst du geduldig sein und auch mal ein paar Stunden auf die perfekten Verhältnisse warten können. Ganz grundsätzlich solltest du beim Fotografieren in den Bergen aufpassen, wo du hintrittst, besonders wenn du die Kamera am Auge hast. Ich bin so schon abgestürzt, hab im Ameisenhaufen gestanden oder bin auf einem Kuhfladen ausgerutscht. Den Rucksack lasse ich auch immer auf dem Rücken, der macht sonst gerne einen Abgang. Zum Sichern habe ich deshalb immer einen Karabiner und eine Bandschlaufe dabei.

Ole: Ganz zentral sind der Bildaufbau und das gewünschte Format. Ich muss mir also vorab genau überlegen, wo im Bild die Action stattfinden soll. Das spielt für uns eine wichtige Rolle, weil es einen Unterschied macht, ob das Foto auf einer Doppelseite gedruckt oder im Internet verwendet wird. Beim Shooting selbst sollte man Zeit für Wiederholungen einplanen: Manchmal gelingt das richtige Bild nicht auf Anhieb und die Fahrer müssen die gewünschte Fahrsituation ein paar Mal wiederholen. Da das MTB verdammt schnell werden kann, ist eine kurze Verschlusszeit um 1/1.000 ein Muss. Außerdem sollte man kreativ bleiben. Viele schöne Spots sind oft fotografiert worden. Entweder sucht man an diesen Stellen neue Perspektiven oder man probiert einfach andere Spots aus.

Dein Lieblingsbild:

Andi Frank:

Abrupte Wetterwechsel verwandeln die Bergwelt in wenigen Augenblicken zu dramatischen Spots. Wer jetzt Bilder macht, dem können Beeindruckende Bilder gelingen. Foto: Andi Frank

"Ich hab definitiv zu viele Lieblingsbilder! Ich liebe es, wenn sich in einem Foto widerspiegelt, warum es einen Sportler in die Natur zieht.. Bei Outdoor-Shootings gefällt es mir, wenn das Szenario spontan wechselt und du von einem beschaulichen Wald durch eine Wahnsinnsschlucht läufst und nur eine halbe Stunde später mit einem mulmigen Gefühl im Bauch im Schnee stehst, da du weißt, dass du noch weitere 16 Kilometer durch Matsch und Geröll vor dir hast. Aber es sind genau diese Momente, die ich an meinem Job liebe. Und jedes Bild erinnert mich immer wieder daran."

David Schultheiß:

Einzigartige Aufnahmen entstehen oft unter widrigen Umständen. So wie dieses Bild während eines aufziehenden Gewitters. Foto: David Schultheiß

"Die Aufnahme ist für mich in vielerlei Hinsicht besonders. Das heranziehende Gewitter ließ uns unsere sieben Sachen packen und auf dem schnellsten Wege Richtung Tal aufbrechen. Als wir am Gletscher vorbeikamen, brach die Sonne für einen kurzen Moment durch die Wolken. Zu sehen sind zwei Biker vor den Weiten des Fieschergletschers. Es ist ein Talgletscher auf der Südseite der Berner Alpen. Die Gletscher stehen als Symbol wie kaum ein Zweites für die Vergänglichkeit. Gleichzeitig verkörpert das Bild die Relationen, in der wir zur Erde stehen und macht mir immer wieder bewusst, dass eine Zukunft ohne Einklang mit der Natur keine Zukunft ist.

Grundsätzlich möchte ich jedem auf den Weg geben, auch bei widrigen Bedingungen seine Tasche zu packen und raus zu gehen. Oft findet man genau an diesen Tagen die speziellen Momente, die nicht planbar sind und für die es sich lohnt, seinen Wecker auf 4:00 Uhr in der Früh zu stellen."

Ole Wittrock:

Wer früh am Morgen Bilder während des Sonnenaufgangs einfangen möchte, der muss in den Bergen sehr früh raus. Aber, es lohnt sich. Foto: Ole Wittrock

"Diese Aufnahme gehört für mich persönlich definitiv zu meinen Lieblingsbildern. Mehr als das Foto selbst, steht das Erlebnis Mountanibiken in den Bergen dabei für mich im Vordergrund. Wir waren weit vor Sonnenaufgang aufgestanden und hatten uns von Pontresina in der Schweiz Richtung Bernina Pass aufgemacht. Die ersten Kilometer war es noch stockdunkel und richtig kalt, trotzdem es August war. Als dann die Sonne aufging und die ersten Berggipfel zu leuchten begannen, stieg sofort die Begeisterung, Mountainbiken mit Gleichgesinnten, in so einer einzigartigen Umgebung, auf tollen Trail in den Bergen und dann noch so ein Licht. Das war für mich der perfekte Auftakt für einen einzigartigen Tag auf dem Bike. Richtiges Big Mountain eben, davon möchte man dann immer mehr. An so einem Bild ist dann auch anschließend nicht mehr viel zu bearbeiten, das wirkt für sich selbst."

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