18 ter Beitrag von 158 Beiträgen

Profi-Tipps: So schießt man richtig gute Bike-Fotos!

Christoph Bayer ist Chefredakteur beim ENDURO Mountainbike Magazine, für das er auch regelmäßig als Fotograf in den Bergen unterwegs ist. Wir haben ihm ein paar Tipps entlockt, wie man gute Mountainbike-Bilder schießt und was man als Hobbyfotograf außerdem beachten sollte.

Was macht für dich ein gutes Bike-Foto aus?

Im Grunde gibt es drei Komponenten, die für ein gutes Bike-Foto zusammenspielen müssen: die Umgebung, der oder die Fahrer und der Fotograf. Ein gutes Bike-Foto löst beim Betrachter das Gefühl aus, sich auch aufs Rad schwingen zu wollen. Es steckt voller Emotion und sollte actiongeladen sein.

Hast du irgendwelche Vorlieben beim Fotografieren?

Am liebsten fotografiere ich authentische Bike-Bilder auf natürlichen Trails. Wichtig ist mir die Stimmung, die das Bild vermittelt. Es muss nicht immer ein Sonnenuntergang sein, auch ein nebelverhangener Wald hat seinen Reiz.

Hast du Tipps für DOs and DON’Ts, die man beim Fotografieren von Bike-Action beachten sollte?

Wie bereits oben erwähnt, entsteht ein gutes Bild immer aus der Zusammenarbeit von Fahrer und Fotograf. Für mich ist es wichtig, dass sich die Fahrer wohlfühlen. Daher sind ein entspannter Umgangston und eine relaxte Atmosphäre das A und O. Packt einen Müsliriegel extra und etwas mehr Wasser ein – die Jungs und Mädels werden es euch danken. Technisch gesehen gibt es einige Grundregeln, mit denen die Fotos spannender und interessanter wirken:

  • Beachtet den goldenen Schnitt.
  • Vordergrund macht Bild gesund (Zweige, Steine, Moos o.ä. im Vordergrund verleihen dem Bild Tiefe).
  • Begebt euch in eine tiefe Position, die besten Perspektiven findet man meist nicht im Stehen.

 Gleichzeitig gibt es auch einige klare Dont’s:

  • Aufsteckblitze auf der Kamera
  • Close-Ups vom Fahrer vor blauem Himmel ohne Absprung und Landung
  • Color-Key-Bearbeitung

Wenn man im Wald fotografiert, kann das fehlende Licht ein Problem sein. Wie gelingen dir unter schwierigen Lichtverhältnissen trotzdem gute Bilder?

Zugegeben, das hochwertige Equipment hilft hier. Das Zusammenspiel aus einem lichtstarken Objektiv und einer Kamera, die auch bei hoher ISO nur wenig rauscht, ermöglicht am Ende dennoch eine kurze Verschlusszeit.

Trotzdem gibt es auch hier ein Limit. Was hilft, ist Kreativität! Wenn die Verschlusszeit für ein scharfes Bild zu lange ist, kann man die Kamera mit dem Fahrer mitziehen. Dadurch verschwimmt der Hintergrund, und der Fahrer kommt noch besser zur Geltung. Irgendwann ist dabei aber auch rein physikalisch Schluss, und es macht keinen Sinn, ein Foto zu schießen. Häufig komme ich an Fotospots, die der Fahrer für ein Bild vorgeschlagen hat, weil sich die Fahrsituation für ihn cool anfühlt, ich aber ablehne, da die Location einfach nicht spannend genug ist.

Welches Equipment benutzt du beim Fotografieren von Bike-Action?

Bei der Wahl meines Equipment unterscheide ich weniger zwischen den einzelnen Disziplinen als vielmehr zwischen dem Grund, weshalb ich Bilder mache. Lautet die Mission, einen Bike-Test für unser Magazin zu fotografieren, schleppe ich jede Menge Equipment mit mir herum. Ich weiß aber auch, dass ich dann keine 1000 Höhenmeter Uphill aus eigener Kraft zurücklegen muss. Bei Reisegeschichten und der normalen Bike-Tour mit Freunden setze ich auf ein sehr reduziertes Setup. Hier ist dann die gewonnene Flexibilität wichtiger als das letzte Quäntchen Bildqualität.

Ausrüstung – geplantes Fotoshooting :

  • Canon EOS 5D MK II
  • Canon EF 16-35 4.0 IS
  • Canon EF 24-70 2.8 II
  • Canon EF 70-200 2.8 IS II
  • Canon EX 600 & 580 Blitz plus Funkempfänger

Ausrüstung – Reise & Trail-Tour:

  • Fuji XT2
  • Fuji XF 35 2.0
  • Fuji XF 10-24 4.0
  • ggf. Fuji XF 55-140 2.8

Ich möchte mit dem Fotografieren von Bike-Action anfangen. Welche „Einsteiger-Ausrüstung“ würdest du mir empfehlen?

Auf die Frage gibt es keine pauschale Antwort. Entscheidend ist das Budget. Mittlerweile halte ich spiegellose Systemkameras für die bessere Alternative zu einer großen Spiegelreflex. Sie liefern nahezu identische Bildqualität bei deutlich kompakteren Abmessungen. Letzten Endes macht der Fotograf die Bilder, die Kamera ist nur das Werkzeug. Mit etwas Kreativität lassen sich selbst mit dem iPhone schon grandiose Bilder schießen.

Hast du sonst noch irgendwelche Tipps für gute Bike-Shots?

Macht euch mit eurer Kamera vertraut, versteht das Zusammenspiel aus Blende, Belichtungszeit und ISO und fotografiert im Raw-Modus. Vor Ort ist Kreativität das wichtigste Element für ein gelungenes Bild. Betrachtet einen Fotospot aus verschiedenen Winkeln und sucht euch ausgefallene Perspektiven. Gebt dem Fahrer Feedback zu seiner Haltung. Mit dem Drücken des Auslösers ist die Arbeit jedoch nicht vorbei. Fotografiert unbedingt im Raw-Modus und bearbeitet die Bilder im Anschluss mit Lightroom. Es ist ein grandioses Tool, um die Bilder zu sortieren und zu bearbeiten. Vom Import bis zum Endresultat arbeite ich nahezu ausschließlich damit. Das Allerwichtigste ist jedoch: Habt Spaß bei dem, was ihr macht und seid kritisch mit eurer Arbeit.

Steckbrief :

Name: Christoph Bayer
Alter: 29
Beruf: Chefredakteur des ENDURO Mountainbike Magazine
Fotografiert seit: 2008
Website: www.christophbayer.net
Facebook: https://www.facebook.com/christophbayerphotography/ 

Immer up-to-date mit dem ROTWILD Newsletter

Jetzt kostenlos registrieren