3 ter Beitrag von 307 Beiträgen

Mich wird man öfter bei Enduro Rennen sehen!

Die Deutsche Vize-Meisterin im Enduro und Team AMG ROTWILD Mitglied Sofia Wiedenroth fühlt sich in ihrer neuen Disziplin zunehmend wohl.

Neue Herausforderungen hat die AMG ROTWILD Teamfahrerin Sofia Wiedenroth in dieser Saison auf den Enduro Rennstrecken gefunden. Beim Finale der Enduro World Series in Finale Ligure beendete sie ihre erstmalige Teilnahme an diesem internationalen Rennformat mit einem guten Platz 25. Kurz zuvor stand die junge Niederstaufenerin bei der Kronplatz Trailtrophy auf dem Podium. Wir sprachen mit der Deutschen Vize-Meisterin im Enduro über die Unterschiede zu ihrer bisherigen Disziplin Cross Country, ihre Bikes, die Trainingsvorbereitungen und die Besonderheiten, die sich im Laufe eines Rennens ergeben.

Deine Teilnahme an den EWS Rennen war wie ein Start von 0 auf 100. Hast du vor der Saison überhaupt an die Enduro Disziplin gedacht?

Nein, absolut nicht. Einmal bei einem EWS Rennen am Start zu stehen, war zwar immer ein Traum von mir, aber dass es dieses Jahr sein wird und dann auch noch alle europäischen EWS Rennen, hätte ich vor der Saison überhaupt nicht gedacht.

 

Als Weltcupfahrerin bist du harte Trainingseinheiten ja gewohnt. Wie unterscheidet sich das Training für die Enduro Rennen von deinem bisherigen?

Eigentlich unterscheidet sich mein aktuelles Training kaum zu den Einheiten, die ich in einer XC-Saison absolviert habe. Beide Disziplinen verlangen viel Kondition, Kraft und Fahrtechnik. Die Enduro Rennen gehen zum Teil bis zu 7 Stunden am Tag, was wie im XC viel Grundlagentraining voraussetzt. Deshalb absolviere ich unter der Woche immer noch lange Ausdauereinheiten auf dem Rennrad. Klar, im Enduro geht es tendenziell mehr bergab, sodass mehr Arm- und Oberkörperkraft gefordert wird. Hier habe ich noch Potential und möchte diese Muskelgruppen mehr trainieren.

 

Wo und wie trainierst du Fahrtechnik in Deutschland?

Am liebsten trainiere ich bei mir Zuhause im Allgäu bei jedem Wetter. Gerade nasse und matschige Bedingungen fördern das allgemeine Radgefühl. Da ich immer noch gerne bergauf fahre, gehe ich selten in Bikeparks. Aber sollte dies doch der Fall sein, dann bietet der Bikepark in Oberammergau ein tolles Trainingsgebiet. Die Reiserbrüder, die selbst bei vielen Endurorennen am Start stehen, haben dort schöne Trails gebaut.

 

Die Konkurrenz in dieser Klasse ist richtig stark. Wie siehst du dich als Neueinsteigerin unter den weltbesten Enduro-Fahrerinnen?

Ja, das Niveau der internationalen Fahrerinnen ist extrem hoch. Aktuell sehe ich mich ziemlich im Mittelfeld positioniert.

 

Jedes Land bringt ja einen anderen Charakter in der Strecke unter. Wie haben sich die einzelnen Rennen aus deiner Sicht unterschieden?

Die Unterschiede der einzelnen Rennstrecken waren wirklich sehr interessant und eine komplett neue Erfahrung für mich. Im Cross Country hat zwar auch jeder Kurs seine eigenen Gegebenheiten und Besonderheiten. Aber innerhalb eines 4,5 km langen Rundkurs sind die verscheiden Möglichkeiten doch eher begrenzt.

Das Rennen in den slowenischen Alpen z.B. fand hauptsächlich durch den vielen Regen im sehr grünen Wald statt, mit dementsprechend rutschigen und nassen Untergrund. La Thuile in Italien war auch ein Rennen in den Alpen, hatte aber aufgrund des Hochgebirges eine ganz andere Struktur wie das in Slowenien. Sehr kontrastreich zu den beiden Orten war AInsa in den spanischen Pyränenen und auch Finale Ligurien in Savona, die aufgrund ihrer südlicheren Lage eher auf staubigen und trockenen Trails stattfanden.

 

Es ist bei Enduro-Rennen üblich, sein gesamtes Equipment mitzuführen und am Bike unterzubringen. Was nimmst du bei einem Rennen mit und hast du spezielle Tipps?

Da man so gut wie den ganzen Tag auf einer langen Tour unterwegs ist und von außen keine Materialhilfe geleistet werden darf, muss man tatsächlich so einiges mitnehmen, um Defekte im Ernstfall selbst vor Ort reparieren zu können. Unabdingbar sind Ersatzschlauch, eine Pumpe oder Kartuschen, Reifenheber und ein Multitool. In meinem Kurbellager habe ich immer ein paar Kabelbinder versteckt. Sollte irgendetwas abrechen, können diese eventuell noch nützlich sein. Nachdem mir einige Mal während dem Rennen – aufgrund der wilden und etwas unsauberen Fahrweise – der Schaltzug gerissen ist, habe ich neuerdings auch immer einen Ersatzzug dabei.

 

Enduro bedeutet u.U. den ganzen Tag im Sattel. Ernährst du dich am Tag des Rennens und davor deshalb anders?

Vor dem Rennen achte ich darauf, meine Kohlenhydratspeicher ausreichend zu füllen. Wie vor Cross-Country Rennen esse ich am liebsten Zitronenrisotto mit Garnelen. Die Zitrone dient als natürlicher Laktatpuffer und passt zudem gut zu den Garnelen, die den Eiweißbedarf abdecken.

Während des Rennens ist die Ernährung komplett anders: Der Zuckerhaushalt muss recht oben gehalten werden, um einerseits nicht in Unterzucker zu kommen und andererseits um die Konzentration zu unterstützen. Fast vor jeder Stage esse ich deshalb noch einen Riegel oder eine Banane. Da mir das auf den gesamten Tag verteilt oft zu süß wird, packe ich mir zusätzlich trockenes Brot mit viel Salz darüber in die Trikottasche. Gerade an heißen Tagen hilft mir das Salz Krämpfe zu vermeiden.

 

Vom superleichten R.R2 Race Hardtail zum R.E1 Enduro mit auf einmal massig Federweg: wie klappte das mit der Umgewöhnung für dich als XCO Fahrerin und wo liegt der hauptsächliche Unterschied für dich zum XCO?

Die ersten EWS Rennen in Petzen und in La Thuile bin ich mit dem R.X2 All Mountain mit 140 mm Federweg gefahren. Auf den Rennen wurde ich oft angesprochen, warum ich mir das antue mit so wenig Federweg solche Trails hinunter zu fahren. Aber tatsächlich fühle ich mich sehr wohl auf dem X2 und da ich die Steifheit des R2 Hardtails gewöhnt bin, komme ich sehr gut mit dem Setup zurecht. Erst seit ein paar Wochen bin ich auf dem R.E1 Enduro mit 160 mm Federweg unterwegs. Und ehrlicherweise muss ich sagen, habe ich mich noch nicht ganz daran gewöhnt. Gerade für das Zusammenspiel von Dämpfer und Federung, habe ich noch kein Gefühl entwickelt. Ich denke ich werde in der Off-Season nun einige verschiedene Setups ausprobieren, um das besser einschätzen zu können.

 

Wird man dich bei Enduro Rennen jetzt regelmäßig sehen? Auch bei den deutschen Rennen?

Ja, man wird mich definitiv öfter bei Enduro Rennen sehen. Ich möchte die EWS fest in meinen Jahresplan aufnehmen und daneben bei Endurorennen im Alpengebiet, sprich Süddeutschland, Österreich, Schweiz und Italien starten.

Immer up-to-date mit dem ROTWILD Newsletter

Jetzt kostenlos registrieren