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Interview: Marc Faude gibt Einblicke ins ROTWILD Produktmanagement

Marc Faude lebt seit über 30 Jahren für das Mountainbiken. Sein erstes Mountainbike-Rennen im Jahr 1987 entfachte seine Leidenschaft für den Bikesport, der ihn seither nicht mehr losgelassen hat. Eine Verbindung von Hobby und Beruf war für Marc Faude daher die logische Konsequenz.

Sein beruflicher Werdegang in der Bike-Branche führte ihn über mehrere Anstellungen im Marketing und Verkauf, die Teilhaberschaft an einem Bikeshop bis zum Produktmanagement für Marken wie Fokus, Villiger/Arrow, Trek/Diamant und Specialized. Seit Oktober 2017 ist Marc Faude als Product Director Rotwild Bikes für ADP Engineering tätig.

In diesem Interview gibt Marc Faude Einblicke in die Abläufe des ROTWILD Produktmanagements und verrät zudem seine Vision von der Zukunft des Mountainbikens.

 

Bevor wir über das Produktmanagement sprechen, würde mich interessieren, was Ihre Motivation für den Wechsel zu ROTWILD war?

Mit dem Firmengründer Peter Schlitt habe ich bereits 1998 zum ersten Mal zusammengearbeitet. Mir hat stets gefallen, wie er seine kleine, exklusive Marke gestaltet und aufbaut. Nach den Produktaufgaben bei großen internationalen Bikebrands hat mich die neue Herausforderung bei ROTWILD gereizt. Ich bin nun wieder viel näher am Produkt. Meine Leidenschaft sind Bikes, und bei Rotwild muss man als Product Director einfach alles machen – das gefällt mir!

 

Wie läuft der Prozess bei der Neuentwicklung eines Bikes ab?

Hier muss man zunächst unterscheiden, ob es sich um eine etablierte Produktkategorie handelt oder wir eine neue, eventuell bisher unbekannte Produktrichtung entwickeln.

Bei bestehenden Segmenten ist es wichtig, die aktuellen Trends und technischen Möglichkeiten exakt zu analysieren: Wie verändern sich die Zielgruppe und das Erlebnis? Hat das Produktsegment noch Potential oder wird es von einer neuen Kategorie abgelöst? In welche Richtung bewegt sich der Markt?

Hinzu kommen intensive Marktbeobachtungen und Konkurrenzanalysen. Ist dies alles geschehen, folgt ein relativ statischer Prozess von Produktdefinition, Kostenplanung, Lasterhaften und Absatzplanung. Erst dann wird es spannend und kreativ mit den ersten Ideensammlungen und Design-Sketches.

Ganz anders ist der Prozess bei der Entwicklung von neuen Produktrichtungen. Da geht es oft unorthodox und auch häufig etwas kreativ-chaotisch zu. Viele Ideen, die man als Feedback sammelt, verbinden sich mit den aktuellen Erfahrungen aus unserem Entwicklungsteam oder einer spontanen Idee. Nach vielen Diskussionen steht die Definition eines neuen Bikes, einer neuen Bike-Kategorie oder sogar einer neuen Art zu biken. Wichtig ist, dass das, was wir vorantreiben, zu unseren Markenwerten und unserer Gesamtausrichtung passt.

 

Wie sieht in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit des Produktmanagements mit Lutz Scheffer vom ADP Concept Design Center aus?

Wir sind praktisch eine Einheit und ergänzen uns in unserer Arbeit hervorragend. Lutz ist eine schier endlose Quelle an Ideen. Ich bin der Teil, der daraus marktrelevante Ansätze gestaltet und mit meinem Team aus Ingenieuren umsetzt. Auf jeden Fall brodelt es in diesem Prozess immer gehörig, wenn zwei Bike-Verrückte aufeinandertreffen.

 

Inwiefern werden Opinion-Leader und ROTWILD-Händler in den Prozess integriert?

Sie sind wichtige Faktoren, wenn es um die Definition eines neuen Produktes geht. Einflüsse und Meinungen von unserem internen Rennteam, Testfahrern, aber auch von externen Redakteuren, Händlern und Enthusiasten sind extrem wichtig. Mit unseren Händlern stehen wir ohnehin im ständigen Austausch und bekommen viele gute Anregungen für die Verbesserung unserer Produkte.

 

Wie lange dauert der gesamte Entwicklungsprozess von der ersten Idee bis zum serienreifen Produkt?

Bei einem Highend-MTB mindestens zwei Jahre. Dies beginnt mit der ersten Idee, dem Design, danach der Entwicklung im CAD, Formenbau, Prototypen und schließlich Tests, Tests, Tests – bis hin zur Serie. Der Prozess kann natürlich nach Komplexität variieren.

 

Wo sehen Sie derzeit das größte Potential für neue Produktentwicklungen?

Keine Überraschung: Das ist natürlich das E-MTB. Wir stehen am Anfang eines neuen Radsports, vergleichbar mit der Einführung des Mountainbikes. In aller Konsequenz ist das E-MTB wahrscheinlich sogar noch relevanter. Fahrräder werden in vielen Bereichen vom Hybrid dominiert werden, die Biker erfahren ganz neue Möglichkeiten. Dies birgt scheinbar unendliche Chancen, diesen Sport neu zu definieren, aber auch für viele neue Zielgruppen zu öffnen. Dieses Potential wollen wir natürlich bestmöglich nutzen.

 

Wo sehen Sie das Mountainbiken in zehn Jahren?

Ich bin überzeugt, dass sich E-MTBs durchsetzen werden, aber nicht nur, wie wir sie heute kennen. Die E-Bikes werden facettenreicher und noch tiefer in die Welt der „Normalbiker“ eindringen. Minimale, leichte Konzepte, die den Performance-orientierten Biker ansprechen, erweitern das Angebot. Das Radfahren kehrt zurück zu seinen Ursprüngen, aber mit der entsprechenden partiellen Extrapower bei einer Uphill-Schlüsselstelle, etwas Rückenwind, wenn er benötigt wird, oder ein paar extra Höhenmetern, wenn die Beine leer sind….

Zudem ist Mountainbiken ein extrem anspruchsvoller Sport, der sich eigentlich nur einer sehr begrenzten, superfitten Zielgruppe im vollen Umfang erschließt. Der Hybridansatz wird dies entschärfen und neue Möglichkeiten auch für Gelegenheitsbiker einräumen. Ich vergleiche das gerne mit dem alpinen Skisport, als die ersten Skigebiete entstanden sind und so den Skisport einer breiten Zielgruppe auf unterschiedlichsten Leveln erschlossen haben.

 

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