Shop Talk: ROTWILD Händler Daniel Dellen von WatzUp-Bikes

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Daniel Dellen ist ein Paradebeispiel dafür, dass man mit einer gehörigen Portion Leidenschaft, Ausdauer und Begeisterung fürs Mountainbiken in unserer Branche sehr viel erreichen kann. Dabei ist der berufliche Werdegang des 46-Jährigen alles andere als geradlinig. Wie kommt ein gelernter Tischler dazu, sich mit einem Bikeshop selbstständig zu machen? Und warum rufen ihn verzweifelte Leute an, die ihre fehlgeleiteten Kurznachrichten löschen lassen wollen? Antworten auf diese und viele andere Fragen gibt uns Daniel in diesem Interview.

Was hat rückblickend deine Begeisterung fürs Biken geweckt?

Ich war ungefähr sechs Jahre alt, als ich zusammen mit meinem Vater alte Räder, die wir auf dem Sperrmüll gefunden hatten, wieder fahrtüchtig gemacht habe. Zunächst, um damit selbst zu fahren. Als kleiner Junge habe ich das Radfahren geliebt, denn ich konnte mit dem Fahrrad ganz leicht meinen Aktionsradius erweitern.
Als meine Freunde und ich dann im Film „E.T. - der Außerirdische“ die ersten BMX-Räder gesehen hatten, war für uns klar: „So ne Kiste wollen wir auch haben!“. Um mir ein solches Teil leisten zu können, musste ich eine Menge Geld sparen. Durch das Restaurieren und Verkaufen der Sperrmüll-Räder und das Sparen von Geburtstags- und Weihnachtsgeld bekam ich irgendwann genügend Geld zusammen und eines Tages stand dann mein eigenes BMX-Rad vor der Haustür. Von da an war ich voll und ganz mit dem BMX-Virus infiziert. Mich interessierte nichts anderes mehr.
 

Der Schritt vom BMX zum Mountainbike war dann kein so großer mehr, oder?

Das stimmt. Es muss um 1990 herum gewesen sein, da haben meine Freunde und ich uns die ersten gebrauchten Mountainbikes gekauft und sind mit den Dingern durch den Wald gefahren. Ich war zu der Zeit 15 Jahre alt und habe schon damals gebrauchte Räder aufgekauft, restauriert und wieder verkauft. Damit konnte ich mir mein Taschengeld prima aufbessern und so auch mein eigenes Mountainbike nach und nach mit besseren Komponenten upgraden. In der Zeit habe ich quasi autodidaktisch meine Fertigkeiten als Bike-Schrauber erworben: Learning by Doing ohne YouTube Tutorials.

Aber dennoch hast du dich zunächst für eine Ausbildung zum Tischler entschieden. Wie kam es dann, dass du in die Bikebranche gewechselt bist?

Das ist eine lange Geschichte, aber ich erzähle hier gerne die Kurzversion. Nach meiner Ausbildung habe ich eine Weile ganz klassisch in der Tischlerei und später dann im Ladenbau gearbeitet. Mit der Zeit gab es dort im Betrieb zwischen mir und meinem Chef einige Meinungsverschiedenheiten, um das freundlich zu formulieren. Das Ende vom Lied war, dass ich für sechs Monate bei vollem Gehalt freigestellt wurde. So hatte ich die Flexibilität mir in Ruhe Gedanken über meine weitere berufliche Karriere zu machen. Da ein Freund von mir damals schon beim WatzUp-Shop in Duisburg arbeitete, kannte ich den Laden und die Bike-Abteilung. Ich bot dem Inhaber an, dass ich für eine Woche auf Probe bei ihm in der Radwerkstatt mithelfen möchte. Aus der Probewoche wurde ein Aushilfsjob und später eine Festanstellung.

Woher kam dann die Motivation, einen eigenen Bikeshop zu starten?

Ich war schon immer sehr internetaffin und hatte zu meiner Zeit als Angestellter bei WatzUp die Idee, mich mit einem Onlineshop für Fahrradteile selbstständig zu machen. Dazu kam es aber nicht, denn als einer der beiden damaligen WatzUp-Gesellschafter aussteigen wollte, bot man mir an, seine Anteile zu übernehmen. So war ich ab 2003 Mitinhaber von WatzUp-Oberhausen. Im Jahr 2005 teilten wir beide Ladengeschäfte in eigenständige Unternehmen. Ab dem Zeitpunkt habe ich den Shop immer stärker auf das Thema Mountainbiken ausgerichtet und als Fachgeschäft etabliert.

Seit 2019 bietet Daniel Dellen in seinem Shop auch die gesamte Palette an ROTWILD E-MTBs an.

Woher kommt eigentlich der Name des Shops?

Dazu gibt es eine ganz witzige Entstehungsgeschichte. In Duisburg gab es seit 1993 den Watzmann-Outdoorladen. Als das Thema Mountainbiken populärer wurde, richtet man dort in der ersten Etage eine kleine Bikeabteilung ein. Das war dann die WatzUp-Bikeabteilung, ein Wortspiel aus Watzmann und Upstairs. Damals war das also eine ganz pragmatische Lösung, die uns heute regelmäßig kuriose Telefonate beschert. 

Kuriose Telefonate?

Ja, bei uns rufen regelmäßig Leute an, die uns für den Kundendienst von WhatsApp halten. Es kam schon vor, das ein verzweifelter Ehemann mir am Telefon lang und breit von seiner Affäre erzählte und dass er versehentlich Nachrichten an seine Frau geschickt hatte, die nicht für sie, sondern für seine Liebschaft bestimmt waren. Jetzt sollten wir bitte diese Messages ganz schnell löschen. In solchen Situationen brauchst du viel Geduld. Es dauert meist etwas länger, bis man den Leuten am Telefon plausibel erklärt hat, dass sie mit ihrem Anliegen in einem Mountainbike-Shop leider an der völlig falschen Adresse sind. (lacht).

Du bist ja ein klassischer Quereinsteiger. Was muss denn jemand mitbringen, der bei dir im Shop arbeiten will?

Für mich ist zweitrangig, was auf dem Schul- oder Arbeitszeugnis steht. Viel wichtiger sind mir die praktischen und sozialen Skills, die jemand für den jeweiligen Job mitbringt. Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, merkt man beim Probearbeiten schnell, ob die Person ins Team passt oder nicht. Die Leidenschaft fürs Biken setze ich bei meinen Mitarbeitern eh voraus. Das macht ja auch unseren Laden aus. Hier arbeiten Leute, die so begeistert vom Mountainbiken sind, dass sie sich gerne von morgens bis abends mit dem Thema beschäftigen. Egal ob als Mechaniker in der Werkstatt, als Berater im Verkauf oder als Fotograf und Kameramann für unsere Youtube-Videos.

Bei dir arbeiten ja mittlerweile 12 Festangestellte und vier Aushilfen. Wie findest du gute Mitarbeiter?

Das ist in der Tat nicht so einfach. Zunächst versuche ich in meinem Shop für eine Arbeitsatmosphäre zu sorgen, in der ich auch selbst gerne arbeiten möchte. Ich habe in meiner Ausbildung und in den vorherigen Jobs viele Negativbeispiele kennengelernt. Von autokratischen, cholerischen Chefs bis zum Mobbing war alles dabei. Ich weiß also genau, was ich nicht will. Unser Shop liegt direkt an der Halde Haniel, der höchsten Erhebung hier bei uns im Ruhrgebiet. Wir können in der Mittagspause oder nach Feierabend eine Runde auf unseren Hometrails drehen. Das ist schon mal etwas Besonderes, was nicht jeder Shop zu bieten hat. Die meisten Mitarbeiter kamen tatsächlich durch Mundpropaganda zu uns. Teils als Bekannte von Kunden, teils von Kollegen und auch unsere Postings und Videos sind eine authentische Werbung für unseren Shop.

Bei WatzUp Oberhausen sind die Kunden in besten Händen. Daniel und sein Team schaffen durch ihre Leidenschaft, Expertise und die Qualität ihrer Arbeit viel Vertrauen. Und lassen auch online hinter die Kulissen blicken.

Apropos Youtube. Ihr seid als WatzUp Bikes auf Social Media sehr aktiv. Das kann enorm zeitaufwendig sein. Wie organisierst du die Arbeit dafür in deinem Team?

Der ganze Onlinebereich hat bei uns schon eine lange Historie. Als es 2010 mit Facebook losging, war ich sofort von der Plattform begeistert, denn hier konnte ich im Gegensatz zu den Werbungen, die ich in den Bikemagazinen geschaltet habe, mein Unternehmen in Echtzeit präsentieren. Das hat mich fasziniert und meine Neugier geweckt. Ich habe mich in die Themen Facebook und Youtube regelrecht hineingesteigert. In der Hochphase kamen so nach Feierabend und am Wochenende pro Monat etwa 80 bis 100 zusätzliche Arbeitsstunden zusammen. Mittlerweile organisieren wir den Bereich mit einem Freelancer und vier weiteren Leuten aus dem Shopteam. In diesem Team stimmen wir die Inhalte jede Woche ab und verteilen die Aufgaben entsprechend, sodass wir unsere Kanäle regelmäßig mit interessantem Content bespielen können.

Warum hat die Kommunikation über Facebook, Instagram und Youtube für dich einen so großen Stellenwert?

Weil wir über diese Kanäle Leute direkt und in Echtzeit erreichen, die ohne unsere Postings in den Netzwerken nie auf uns aufmerksam geworden wären. Ich kann als Shop ganz aktuell zeigen, was wir zu bieten haben, welche Produkte neu sind und wie wir im Laden an den neuen Bikes arbeiten. Im Idealfall hätte ich gerne ein bis zwei Leute, die den ganzen Tag nichts anderes machen als unsere Arbeit zu dokumentieren und daraus Content für die Postings generieren. Tatsächlich bin ich zurzeit auf der Suche nach Verstärkung für unsere Social Media Kanäle als Aushilfe oder später auch in Festanstellung.

Welche Ziele verfolgst du mit der Social Media Kommunikation?

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir durch die Einblicke in unsere Firma beim Kunden Vertrauen schaffen. Der Kunde ist so viel näher an unserer täglichen Arbeit dran, lernt die Mitarbeiter kennen und kann sich ein Bild von unserer Shop-Philosophie machen. Das finde ich enorm wichtig. Auch wenn sich die Investition in die Social Media Arbeit nicht eins zu eins mit gestiegenen Verkaufszahlen messen lässt, weiß ich, dass diese Art der Außendarstellung für unser Shopkonzept essenziell ist.

Was steht für dieses Jahr noch auf deiner persönlichen Agenda?

Ich mache mir am Anfang des Jahres immer eine 10-Punkte-Liste mit Dingen, die ich mir für das kommende Jahr vornehme. Jahr für Jahr steht dort der Vorsatz drauf „Mehr Abenteuer erleben“. Daran arbeite ich gerade.

Inwiefern?

Indem ich zunehmend Aufgaben an Leute in meinem Team abgebe und ich zeitlich flexibler werde. Ich bin gerne draußen in der Natur, da fängt für mich schon das Abenteuer an: Leute treffen, Dinge vor der Haustüre erleben, mehr Zeit fürs Biken haben. Das sind Sachen, die mir wichtig sind und aus denen ich wieder neue Energie für den Alltag ziehen kann.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen in deinem Shopalltag?

Das Thema Warenbeschaffung ist seit Ausbruch der Pandemie enorm schwierig. Da ich immer in sehr engem Austausch mit meinen Lieferanten stehe, bekomme ich früh ein Gespür dafür, was auf Herstellerseite los ist und versuche so entsprechend frühzeitig zu reagieren. 
Eine permanente Herausforderung ist es, unseren Laden über das Warenangebot bekannt zu machen.Wir möchten das Einkaufserlebnis für unsere Kunden so interessant wie möglich gestalten. In einem guten Shop findest du Dinge, die du suchst und Dinge, die du für dich neu entdeckst. Um hier den perfekten Produktmix bieten zu können, müssen wir immer wieder die Trends im Markt erkennen und neue Marken ins Sortiment aufnehmen. Ich finde es spannend, auch kleine Brands mit aufzubauen.
 

Seit 2019 führst du ja ROTWILD E-MTBs im Shop. Und dass, obwohl du zuvor einer der größten Skeptiker der E-Mountainbikes warst. Das musst du erklären.

Es ist richtig, dass ich mich lange davor gesträubt hatte E-MTBs in meinem Shop anzubieten. Als das Thema aufkam, hatte ich die Befürchtung, dass durch die E-Bikes jetzt Leute im Wald auf den Trails rumjagen, die zuvor noch nie ein MTB gefahren sind. Meine Angst war, dass dadurch die E-MTBs für die Akzeptanz des Mountainbikes eher kontraproduktiv sind.

Bikes ready, riders ready! Das WatzUp-Team nutzt gerne die Mittagspause oder den Feierabend um eine Runde auf den Hometrails zu drehen. Die nahegelegene Halde bietet dafür beste Voraussetzungen.

Und dann kam der Sinneswandel?

Ja. Als ich bei einem Händlerevent zum ersten Mal selbst ein E-MTB auf dem Trail gefahren bin, war ich sofort "on fire". Zudem habe ich erlebt, dass sich meine Befürchtung zumindest hier bei uns im Ruhrgebiet nicht bewahrheitet hat. E-MTBs wurden in erster Linie von Leuten gekauft, die zuvor schon eine lange MTB-Vergangenheit hatten.
Heute fahre ich nur noch elektrisch. In erster Linie, weil mich meine Blessuren aus der aktiven BMX-Zeit mit zunehmendem Alter körperlich doch mehr einschränken als mir lieb ist. Zum anderen aber auch, weil es mir einfach mehr Spaß macht. Ich bin froh, dass ich durch das E-MTB immer noch voll mit meinen Jungs auf dem Trail mithalten kann.
 

Welche Trends siehst du in naher Zukunft im Bikemarkt?

Der Trend zu Light E-MTBs wird sich weiter ausbreiten. Im Moment erleben wir bei leichten E-Mountainbikes bei der Akkuleistung einen Rückschritt. Geringes Gewicht unter Erhalt der Akkuleistung - das ist für mich die Zukunft. In diesem Zusammenhang bewundere ich den Mut und die Weitsicht vom Peter Schlitt, die Marke ROTWILD so konsequent als E-MTB Brand zu positionieren und konventionelle Bikes komplett aus dem Sortiment zu streichen. 

Für die Zukunft des Sports hoffe ich außerdem, dass mehr in die Infrastruktur fürs Mountainbiken investiert wird. Der Sport hat in den vergangenen Jahren an Popularität gewonnen, das Angebot an Touren und Trails muss ausgebaut und die Leute auf diese Strecken kanalisiert werden. Nur dann können Konflikte mit Wanderern und Naturschützern vermieden und die Akzeptanz des Mountainbikens gefestigt werden. In diesem Bereich bin ich auch mit dem Shop aktiv. Als Inhaber spreche ich mit den Verantwortlichen hier in unserer Region und versuche mich konstruktiv einzubringen. Das ist für mich selbstverständlich. Ich möchte mit dem Bikeshop sowohl Treffpunkt der Szene als auch Anlaufstelle für Leute sein, die sich zum ersten Mal für das Thema Mountainbiken interessieren.
 

"Heute fahre ich nur noch elektrisch", sagt Daniel. Leichte E-MTBs wie das Longtravel-Bike R.G375 sind für ihn die Zukunft. Mehr Loops auf den Hometrails sind damit möglich.

Den Link zu dem YouTube Kanal von WatzUp Bike finden Sie hier.

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