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„Es por eso que lo amamos“ – Deshalb lieben wir es

Bikeabenteuer statt Reiseführer. ROTWILD Rider Susi Huth auf Trailsuche in Guatemala.

Reisen, Backpacking, fern abgelegene Länder – fast jeder hat sich schon einmal auf solch eine Reise begeben. Doch warum nicht das Bike schnappen und fremde Trails erkunden, anstatt Sehenswürdigkeiten aus dem Reiseführer abzuklappern? Biken kann Türen in andere Welten öffnen, neue Bekanntschaften und sogar Freundschaften schließen. Fernab üblicher Touristentouren lernt man fremde Kulturen und Einheimische wirklich kennen und diesmal führte es uns nach Guatemala.

Auf den ersten Blick ist Guatemala nicht gerade ein Land an das man denkt, wenn man seinen nächsten Bikeurlaub plant. Mit seiner Fläche so groß wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen ist es ein kleiner Staat in Mittelamerika, der im Norden an México, im Osten an Belize und im Süden an Honduras und El Salvador angrenzt. Liest man sich die Reisehinweise des Auswärtigen Amts durch, kann man es mit der Angst zu tun bekommen. Vor Kriminalität und Gewalt wird gewarnt, bei Dunkelheit das Hotel nicht verlassen, Gepäck nie aus den Augen lassen, usw. Klingt verlockend, dachten wir uns und kurzerhand wurde der Flug gebucht. Vier Wochen sollten hoffentlich genügen um alle Trails, die das Land zu bieten hat, zu erkunden.

Nach der Ankunft fuhren wir direkt vom Flughafen in den idyllischen Ort Antigua. Dieser alte Kolonialort wird seinem Ruf absolut gerecht und besticht durch eine saubere charmante und gemütliche Atmosphäre. Von Kriminalität weit und breit keine Spur. Umringt von spektakulärer Berglandschaft, dürften wir hier auf unsere Kosten kommen. Auch einer der drei Vulkane, die die Stadt umgeben, sollte einen perfekten Trail haben.

Nach einigen Tagen und mehreren Erkundungsrunden hatten wir auch herausgefunden, mit welchen Guide es auf welchen Vulkan gehen sollte. Einziges Problem: der Vulkan Acatenango ist 3.976m hoch, mit dem Auto kommt man jedoch nur bis auf maximal 2.200m. Einzige Lösung: das Bike knapp 4 Stunden und 1.800 Höhenmeter den Trail hoch tragen.

Der Anblick des Gipfels war atemberaubend und das Beste daran: vor uns lag ein riesiges, breites Feld mit losem Vulkangestein, welches nur danach schrie abgesurft zu werden! Also rauf auf den Gipfel und um die Strapazen des Aufstiegs zu belohnen, verzogen sich auch noch die letzten Wolken für einen einmaligen Ausblick auf Antigua und die umliegenden aktiven Vulkane Agua und Fuego. Aber das Beste sollte ja noch kommen: 12km feinste Singletrail-Abfahrt bis zum Ausgangspunkt. Ob das wohl noch zu Toppen ist?

Auf einen Tipp hin fuhren wir am nächsten Tag auf ein lokales Downhillrennen am Lake Amatitlan, meldeten uns kurz entschlossen zum Rennen an und los ging es mit Enduro und Halbschale gegen die Downhill-Elite des Landes. Der extra angelegte Downhilltrack in Naciones Unidas mit großen Doubles, Roadgaps und einem anspruchsvollen Rockgarden steht einem Downhill in den europäischen Bikeparks in nichts nach. Jeder wollte wissen wer denn die zwei Deutschen auf der Startliste waren, binnen kurzer Zeit hatten wir diverse Handynummern von Locals, jede Menge Tipps für gute Trails und wurden überall herzlich zu einer Tour eingeladen.

Unser nächster Stopp hieß Huehuetenango, ein absolutes Trail-Paradies. Der Trail vom Cerro Negro, der noch vor ein paar Wochen Etappe eines Enduro Rennens war, machte uns schnell klar, dass wir hier richtig waren. Statt Dschungel und weichem Waldboden gab es hier viel Fels, Steine, Sand und jede Menge Flow. Ein absolutes Highlight war die Abfahrt vom 'la Cuchumatanes', dem höchsten Berg Guatemalas. Vor uns lagen 1.300 Höhenmeter und insgesamt 16km Singletrail. Nach diesem perfekten Start blieben wir statt den geplanten drei, insgesamt neun Tage in Huehuetenango und sind in dieser Zeit keinen Trail zweimal gefahren, da die Jungs der 'Desenfrenidas' jeden Tag mit neuen Trails aufwarteten.

Nächste Station war San Marcos la Laguna am Vulkansee Lago Atitlan. In diesem kleinen Stück Paradies auf Erden schlängelt sich 'La Culebra' (dt. Schlange), wie der Trail von den Einheimischen genannt wird, am uferseitigen Hang den Berg herunter und bietet neben dem perfekten Blick über den See auch noch jede Menge Fahrspaß. Selbst der letzte Teil wird zur Herausforderung, da man sich in den engen Gassen in dem abgeschiedenen Ort Santa Catarina erstmal zurechtfinden muss.

Nach diesem großartigen Abschluss unserer Trailsuche gönnten wir uns auch noch ein paar Tage Ruhe und machten genau das, wofür der Lago Atitlan bekannt ist: sich eine gemütliche Hängematte suchen und bei einem Bier 'Gallo' die Seele baumeln lassen. Und mit einer Sache sind wir uns auf jeden Fall einig: vier Wochen sind eindeutig zu kurz um hier alles zu erkunden und wir werden auf jeden Fall wieder kommen.

Wer Lust auf ein Bikeabenteuer abseits der bekannten Hotspots wie Whistler hat, ist hier genau richtig aufgehoben. Die Gastfreundschaft der Guatemalteken ist legendär und neben dem einmaligen Biken bietet das Land auch weltberühmte Sehenswürdigkeiten wie die Alten Tempel der Mayas in Tikal. Unsere Suche nach Trails hat uns fernab von jeglichen anderen Touristen gebracht, uns wunderschöne Orte aufgezeigt und uns in das einheimische Leben eingebunden.

Und genau deshalb lieben wir es! „Es por eso que lo amamos"!

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