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Bike-Normen: Die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG

Bei der Entwicklung von Mountainbikes und E-MTBs, offiziell als EPACs (Electrically Power Assisted Cycles) bezeichnet, müssen die Bike-Ingenieure verschiedenste Normen und gesetzliche Vorgaben beachten. Was es mit der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG auf sich hat und wie sie die Produktion von ROTWILD Bikes beeinflusst, erläutern wir in diesem Artikel.

Begriffserklärung

Die Maschinenrichtlinie des Europäischen Parlaments regelt ein einheitliches Schutzniveau zur Unfallverhütung für Maschinen und unvollständige Maschinen, die innerhalb der EU verkauft werden. Da auch E-Bikes (EPACs) laut dieser Richtlinie unter "Maschinen" fallen, müssen alle Hersteller die Produkte in der EU verkaufen wollen, die Auflagen der Richtlinie erfüllen.

Die Maschinenrichtlinie als einheitliche Regelung innerhalb der EU verfolgt dabei zwei Ziele: Zum einen wird der freie Warenverkehr innerhalb der Europäischen Union sichergestellt. Zum anderen gilt für alle Produkte, die unter die Maschinenrichtlinie fallen, ein einheitlich hohes Sicherheitsniveau, welches zuletzt auch dem Gesundheitsschutz dient.

In Deutschland wurden die Auflagen der EU-Richtlinie im Produktsicherheitsgesetz und in der Maschinenverordnung umgesetzt.

Auswirkungen für die Praxis

Da es sich bei E-Bikes laut der EU-Verordnung um Maschinen handelt, müssen die Hersteller für alle Anbauteile eines E-Bikes eine Freigabe von einem Prüflabor vorweisen. Bei einem herkömmlichen Fahrrad, das eben nicht als Maschine eingestuft wird, gilt diese Auflage nicht. In der Praxis bedeutet das, dass man keine Austauschteile oder Anbauteile an seinem E-Bike verwenden darf, die vom Bike-Hersteller nicht freigegeben wurden. Hierunter fallen beispielsweise die Scheinwerfer der Lichtanlage, Kindersitze, Kinderanhänger etc. Zudem ist in der Maschinenrichtlinie klar definiert, dass sämtliche Tuningmaßnahmen an der Motorsteuerung nicht zulässig sind.

Konsequenzen in der Bike-Entwicklung

Durch die Anforderungen der Maschinenrichtline ist der Dokumentationsaufwand bei der Entwicklung eines E-Bikes deutlich größer als bei der Neuentwicklung eines herkömmlichen Fahrrads. Außerdem müssen vom Engineering sämtliche Punkte der vorgegebenen Normen im Konstruktionsprozess berücksichtigt werden. Für E-Mountainbikes gelten dabei die Vorgaben der Pedelec-Norm EN 15194, die wiederum auf die ISO 4210, die MTB-Norm, verweist. In diesen Normen sind alle für die Produktfreigabe notwendigen Testanforderungen (bspw. Rahmen- und Komponententests) definiert, um sicherzustellen, dass ein im EU-Raum in Verkehr gebrachtes Produkt betriebssicher ist.

ROTWILD arbeitet bei diesen Testverfahren eng mit der unabhängigen EFBE Prüftechnik GmbH zusammen. Das Prüflabor zählt zu den führenden Laboren für mechanische Prüfungen an Fahrrädern und Komponenten. Bei den dort für ROTWILD durchgeführten Belastungstests von Rahmen und Komponenten liegen die Lasten deutlich über den Vorgaben der EN15194 und ISO 4210, da diese nur sog. Mindestanforderungen stellen.

Fazit

Der übergeordnete Sinn und Zweck der Maschinenrichtline, den für EPACs geltenden o.g. Normen ist es, die Sicherheit bei der Nutzung des E-Bikes zu gewährleisten.

Um dem Biker auf einfache Art und Weise zu vermitteln, für welchen Einsatzbereich das jeweilige Fahrrad bestimmt ist, gibt es zusätzlich die internationale ASTM-Klassifizierung. Hier werden fünf verschiedene Einsatzbereiche, vom Touring-Rad (Kategorie 1) bis zum Downhill-Bike (Kategorie 5), unterschieden. Dabei wird anhand von z.B. Geländebeschaffenheit und Sprunghöhe der bestimmungsgemäße Gebrauch definiert – kurz gesagt, was mit dem Produkt gemacht werden darf. So erhält jeder Biker eine einfache Orientierung, für welche Belastungen der Hersteller die Sicherheit des jeweiligen Fahrrads gewährleistet. Dabei kann die ASTM-Klassifizierung nur eine allgemeine Orientierung geben. Viele Hersteller beschreiben deshalb mögliche verbleibende Risiken in der Bedienungsanleitung des Bikes.

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