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Bike-Fotograf Markus Greber im Interview

Markus Greber ist einer der bekanntesten deutschen Bike-Fotografen. Der Autodidakt kam über seinen Job als Bike-Redakteur zur Fotografie und gewann beim ISPO AWARD 2014 die Kategorie „Best Action Shot“. Was für ihn ein gutes Bild ausmacht und wie man selbst außergewöhnliche Fotos schießt, verrät er in diesem Interview.

Was macht für dich ein gutes Bike-Foto aus?

Im Idealfall erzählt jedes Bild eine Story. Bei Closeups kann das der Gesichtsausdruck des Fahrers sein, bei Landscape-Aufnahmen eine dramatische Lichtstimmung oder ein spektakulärer Trailverlauf im Hintergrund. Dazu kommt natürlich das Handwerk. Bilder, bei denen das Motiv nicht zu 100 Prozent scharf ist, wandern bei mir in den Müll.

 

Welche Motive schießt du besonders gerne?

Ich sehe am liebsten den Fahrer als Teil des Ganzen. Also: große Landschaft, kleiner Fahrer. Bikeparks mag ich weniger, sowohl beim Selberfahren als auch beim Knipsen. Ich möchte nicht reglementiert werden von jemandem, der mir den Kurs vorgibt. Gebaute Trails müssen nicht schlecht sein, aber bitte von Hand und nicht mit dem Bagger.

 

Welche Tipps für DOs und DON’Ts hast du für Leute, die mit dem Fotografieren von Bike-Action anfangen?

  • Ran ans Objekt ist in der Bike-Fotografie oft fehl am Platz. Lieber weiter weg, damit man sieht, wo der Fahrer herkommt und wo er hinfährt. Ein Sprung ohne Absprung und Landung zu zeigen, ist oft Fake und damit wertlos.
  • Sucht das Gegenlicht. Mit dem Licht sind die Bilder oft langweilig. Bilder mit Gegenlicht oder zumindest Streiflicht strahlen und bringen Spannung.
  • Kurze Belichtungszeiten: Unter 1/1000 versuche ich zu vermeiden. Diese Bilder sind nur vermeintlich scharf. Wenn man sie am Rechner auf 100 Prozent zieht, kommt oft die Ernüchterung.
  • Verlasst beim Fotografieren eure Komfortzone. Geht in die Hocke oder legt euch hin, kauert euch an Felswände, klettert auf Bäume. Nur so lassen sich meist spannende Kompositionen erreichen. „Vordergrund macht Bild gesund“ ist eine total abgedroschene Phrase, aber zu 100 Prozent richtig.

 

Wenn man im Wald fotografiert, kann das fehlende Licht ein Problem sein. Wie gelingen dir unter schwierigen Lichtverhältnissen trotzdem gute Bilder?

Das fehlende Licht ist im Wald oft gar nicht das Problem. Die modernen Kameras vertragen extrem hohe ASA-Werte ohne große Qualitätsverluste. Das Problem im Wald ist die Sonne. Die Licht-/Schattenkontraste sind viel zu krass, da ist auch die teuerste Profikamera dem menschlichen Auge weit unterlegen. Im Wald fotografiert man am besten bei bewölktem Himmel. Dann ist alles homogener, und die Konturen kommen besser raus. Und wenn schon Wald mit Sonne, dann unbedingt im Gegenlicht. Nur so sumpft der Fahrer nicht ab, sondern bekommt sogar noch leuchtende Umrisse.

 

Welches Equipment benutzt du?

Ich benutze für alles die gleiche Kamera und zwar eine Canon EOS 1 DX Mk2. Dazu benutze ich ein 70-200er Zoom, ein 16-35er Weitwinkel-Zoom, ein 8-15er Fisheye und eine 50er Festbrennweite. Wenn ich blitze, nehme ich Canon Speedlites oder Profoto B1-Blitzköpfe.

 

Ich möchte mit dem Fotografieren von Bike-Action anfangen. Welche „Einsteiger-Ausrüstung“ würdest du mir empfehlen?

Ich denke, die neuen, spiegellosen Kameras von Fuji und Sony sind in ihrer Qualität ebenbürtig mit den Spiegelreflex-Systemen. Beim Autofokus sind sie allerdings nicht vergleichbar. Wer ernsthaft schnelle Action und hohe Bildfolgen fotografieren will, kommt um eine Spiegelreflex-Kamera nicht herum. Als Objektiv braucht man ein Weitwinkel und ein Tele, am besten mit 200er Brennweite. Preistipp: 50er Festbrennweiten sind superhochwertig, lichtstark und günstig.

 

Hast du sonst noch irgendwelche Tipps für gute Bike-Shots?

Ein Bikebild ist nur so gut wie das Model. Ein Actionbild kann noch so perfekt sein, aber wenn der Fahrer total verdreht durch die Kurve eiert, ist es den Speicherplatz nicht wert. Außerdem gelingen Action-Shots selten beim ersten Versuch. Auch bei Profis ist es üblich, den Fahrer zigmal an der gewünschten Stelle fahren zu lassen, bis endlich alles passt. Das kann für beide Seiten ganz schön zermürbend sein. Aber das Ergebnis ist es oft wert.

 

Alle hier gezeigten Bilder stammen aus den neuen Bike-Kalendern 2018 von Markus Greber, die es ab dem 7. August auf der Website www.bike.yohmoe.de zu kaufen gibt.

 

Steckbrief:

Name: Markus Greber

Alter: 49

Beruf: Fotograf und Redakteur

Fotografiert seit: 2005

Website: www.markusgreber.com

Instagram: @markusgreber

Facebook: @markusgreberphotography

 

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